Geburtstag der Zwillinge

Am Samstag wurden wir von Zwillingen entjungfert. Beide hatten ihren jeweils 50. Geburtstag zu feiern und wollten sich etwas ganz Besonderes gönnen. Also lud man uns ein… auf eine Burg.

Sowas hatten wir noch nie gemacht, natürlich waren wir auch sehr verunsichert. Als wir dort ankamen, auf jener Burg, standen wir zunächst vor einem riesigen Tor. So riesig, wie man es sonst nur aus Märchen kennt. Wir klopften an. Nichts passierte. Kein Mucks, kein Anzeichen menschlichen Lebens. Allmählich wurden wir unruhig. Wo waren wir hier? Warum hatte man uns ausgerechnet hierher bestellt? Die Unruhe war kaum mehr auszuhalten, Tobi und Henrik hielten mittlerweile in jeder Hand jeweils zwei Zigaretten und sogen sie auf als wären es die letzten vier Zigaretten ihres Lebens. Frank übergab sich bereits. Denn wie von Geisterhand zogen hier und da Methangaswolken auf, die uns -so schien es- umzingeln wollten.

In einem Anflug von bitterster Furcht, redete ich mir ein, dass im Burggraben Krokodile schwimmten. Dabei hatte ich gleich bei unserer Ankunft erkannt, dass es friedliche Nilpferde waren. „Ruhig bleiben“, sagte ich mit zittriger Stimme und öffnete meine Augen wieder, nachdem ich sie zuvor geschlossen hatte, um mir das Bild nochmal vor Augen zu rufen, wie ich am 3.6.1973 in einer ähnlichen Situation gewesen war. Ich weiß nicht mehr, wo und mit wem es war. Ich wusste nur noch, dass wir damals einfach wieder nach Hause fuhren. Jedenfalls hatte ich meine Augen wieder geöffnet. Die Methangasschwaden waren verzogen, überhaupt schien alles sehr friedlich. Selbst die Nilpferde lächelten mir zu, während sie im Wasser des Burggrabens auf ihren Rücken entlang graulten. Eine Nilpferdfrau zwinkerte mir sogar zu, sie könnte etwa in meinem Alter gewesen sein.

Doch irgendwie gefiel mir dieser scheinheilige Frieden nicht, irgendwas stimmte nicht. Ich drehte mich um, nach links, nach rechts. Und wieder nach links und wieder nach rechts. Wo waren meine Freunde?! Wieder stieg die Angst in mir auf. Ich wusste, dieses Mal werde ich nicht so heil davon kommen wie 1973. Ich tat, was ich damals schon machen wollte und zog an meinem T-Shirt, so fest, bis ich es aufgerissen hatte. Als ich gerade losschreien wollte, wie es der unglaubliche Hulk immer tat, hörte ich einen lauten Knall. Meine Stimmbänder rutschten in meine Unterhose, meine Knie wurden weich und wackelig. Ich war kurz davor, mein Handy zu zücken und die Polizei zu rufen, denn der Knall war ziemlich laut und gehörte sich zu so später Stunde nicht mehr.

Aber was danach passierte, werde ich nie wieder vergessen…

Nachdem ich Henrik,Tobi und Frank geschätzte 7 Meter von mir entfernt an unserem Van stehen sah, wusste ich auch, wo der Knall herkam. Die Jungs luden unser Equipment aus, um es in den Keller der Tiefburg zu tragen. Die Gastgeber hatten uns schon längst das Tor geöffnet. Es war das Tor zu einem wunderschönen Abend. Selten haben wir solch offene Menschen gesehen wie an diesem Abend. Nach einem üppigen Buffet, griffen zunächst die Geburtstagskinder persönlich zu den Gitarren und sangen ihren Gästen ein paar Ständchen, die so ungeniert von allen Anwesenden mitgesungen wurden, dass auch wir uns sofort pudelwohl fühlten. Später spielten Used, ebenfalls Zwillinge, die sich früher auch als The Twin Experience schon einen Namen gemacht hatten, ein schönes Stündchen. Zur Geisterstunde um 0 Uhr betraten wir die Bühne und spielten bestimmt 2 Stunden bei guter Laune und einem sofort tanzfreudigen Publikum. Am frühen morgen wurden wir dann von unserer herzlichen Gastfamilie nach Hause gefahren, wo wir in Superman- und Bob-der-Baumeister-Bettwäsche in den wohlverdienten Schlaf fielen.

Es war das erste Mal, dass wir für einen Geburtstag engagiert wurden. Und feststeht, wir würden es jederzeit wieder tun. Vor allem in solcher Gesellschaft!

Tim
DIE FELSEN

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