Wer früher säuft, ist früher voll

Ja, lieber Leser, was soll das heißen?
Ich möchte es wie immer in nur wenigen Zeilen klar machen.
„Wer früher säuft, ist früher voll“ ist eine klare Anschrift. Und zwar eine Anschrift für all diejenigen, die sich schämen, Alkohol zu trinken.
Wer schämt sich nicht, eine Nacht lang sinnloses Zeug von sich zu geben? Härtere Drogen zu sich zu nehmen, nur um hoffentlich herauszufinden, warum man denn so viel gesoffen hat. Geht es denn darum, endlich sagen zu können, was man sagen will? Sich endlich zu trauen, nachdem der Tag so lang war und man so viele Gedanken verschluckt hat, weil man nicht die „richtigen“ Leute um sich wusste?
Im Alkoholrausch ist der Gesprächspartner drittrangig. An den ersten zwei Plätzen steht man selbst und der Suff.
Alles weitere kommt dann ja von alleine. So kennt man es.
Was passiert aber, wenn der Rest eben nicht von alleine kommt, sondern wenn man volltrunken vor einem wildfremden Mensch steht, der -so scheint es dann meistens- höchsten halb so volltrunken ist wie man selbst und alles noch einigermaßen rational verstehen könnte?
Du stehst da wie der letzte Vollidiot, der aus dem seltsamsten Dorf der Welt entstammend einem Berliner die Welt erklären möchte.
Berliner sind ohnehin sehr hochnäsig, wenn ich das als Ludwigshafener so sagen darf. Ich habe dort auch einige liebe Menschen getroffen, die von Herzen leben und lachen. Aber Berlin ist meiner Meinung nach auch ein Ort der Szenemacher, Leute, die nicht zu selten glauben, dass ihre Welt die einzigst exisitierende Welt sein kann. Liebe Berliner, es gibt auch Herzlichkeit auf dem Dorf, vor allem dort. Und es gibt auch Wahrheiten in Ludwigshafen am Rhein. Psychische Krankheiten findest du hier im Schnitt bestimmt genauso oft.
Und das sind doch die intelligenten Männer! Intelligente Männer haben psychische Störungen. Wie solls auch anders sein? Man muss doch so viel vertragen, während man alles auf die genaueste Schippe nimmt. Und dann noch das Rustikale der Mitmenschen…
Und das Rustikale ist doch die Wahrheit. Und das Rustikale ist doch auch der Mann von nebenan. (Ich möchte hier die Weiblichkeit nicht unterschlagen, aber meistens sind es doch die Männer, die krank sind und dabei noch so eine interessante Figur machen).
Frauen, die glauben, sie seien zu intelligent, reden dann über Penise. Vor allem in Berlin und anderen sogennanten „Szenestädten“. Bei uns in Ludwigshafen reden die Leute mit zu wenig (oder viel zu viel) benutzten Gehirnzellen von Penisen. Alle Angaben wie immer ohne Gewehr. Aber ihm kommt es so vor.
Ihm -als jemand, der nichts anderes tut, als zu Hause zu hocken, sich zu betrinken und zu warten, dass ihm endlich wieder irgendwas einfällt- jedenfalls. Irgendwas, was man aufschreiben kann.
Ich hätte ein paar nette Liedtexte, die ich hier veröffentlichen könnte, aber ohne Zusammenhang interessiert das doch keine Sau. Deshalb nenne ich hier mal die Worte zum Felsen-Lied: „Rock und Roll Band“.
Es hat sich so ergeben, dass die Felsen sich doch gelegentlich erklären müssen. Das ist auch gut, denn wer was will, der muss auch dem Zuhörer die Chance geben, sich zu erklären. Nun ist es aber so, dass viele Dinge so schwer gemacht werden, weil jedes Wort so leicht genommen wird. Und in der Regel wird etwas leicht genommen, weil es so oft und schwertragend benutzt wird.
Die Felsen sind eine Rock und Roll Band. Wer jetzt einen bestimmten Artikel davor setzen will, ist herzlich willkommen. Es geht letztendlich darum, dass man auch zwischendurch mal ehrlich sein kann, seien die Gedanken noch so undefiniert. Seien die Gedanken noch so willkürlich. Ein Gedanke ist gut. Zwei Gedanken sind nicht schlechter. Ein dritter Gedanke ist auch nicht schlimm. Und so ist auch ein Felsentext. Er ist nicht schlimm. Er ist okay.
Und okay ist auch folgendes Liedgut, das ausnahmweise nicht von meinem Liebling Sven Regener stammt, sondern von Tococtronic: Alles wird in Flammen stehen
Wahrscheinlich unvergleichbar streifen sich Tocotronic besonders wieder in diesem Lied durch die unausweichlichen Wunder der Schönheit.
Element of Crime dagegen sind greifbarer, aber in ihrem Wirken genauso unausschöpflich.
Das ist Wortjazz, wenn das der Sache gerecht werden kann. Oder auch Drum’N’Bass der deutschen Sprachkultur. Aber wer will das schon hören…
„Ach, Mathilde, wo soll das noch hinführen“ (aus Schnullers „Grünen Apfeln“).

Die Liebe ist unergründlich, die Rockmusik ebenfalls. Zumindest darf sie so sein.

„Warum warst du nicht bei Aldi
 Warum gehst du heut nicht raus
 Warum gehst du nicht zur Arbeit
 und warum siehst du denn so aus

 Es ist nicht gut, nur zu verlieren
 Gestern gut und heute schlecht
 Besser heute als erst morgen
 Und was hier ist schon echt

 Das ist doch die Rock und Roll Band
 Die da in der Kirche spielt
 Das ist doch die Rock und Roll Band
 Die dich wieder übersieht

 Wo keine Angst ist, ist kein Mut
 Und wo kein Mut ist, ist die Angst
 Lieber ein Stück weit verdorben
 Als zu viel Eleganz

 Denke nicht, dass ich wüsste
 Wovon ich hier erzähl
 Ich trage nur die Früchte
 Aber hab ich schon erwähnt

 Das ist doch die Rock und Roll Band
 Die sich wieder amüsiert
 Das ist doch die Rock und Roll Band
 Die auch gerne mal verliert

 Finger weg von diesen Drogen
 Sagt der Mann von nebenan
 Finger weg von diesen Drogen
 Sagte er, dann fing er an

 Das ist doch die Rock und Roll Band
 Die hier immer wieder spielt
 Das ist doch die Rock und Roll Band
 In die sich jedes Kind verliebt“

Wer sich noch immer nicht geborgen fühlt, der wird seinen Trost hier finden
oder dann doch hier.

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